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Kiesabbau: Was will die Gemeinde Trebur?

Als Grundlage für die Auskiesungsgenehmigungen 1976 bis 2008 für eine Fläche von über viertig Hektar fehlt bisher eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Die Auflage von 1999, jedes Fahrzeug, das den Kies transportiert, kommt mit Verfüllmaterial zurück, hat die Firma Kiebert zudem nicht erfüllt.

In der Erörterung im Regierungspräsidium Darmstadt hat die Gemeinde eine UVP sowie die Wiederverfüllung ausdrücklich gefordert. Die Fachbehörde hat eine UVP jedoch als nicht notwendig angesehen, weil sie nur 7,9 Hektar berücksichtigt.

Doch die Gemeinde fordert weiter eine UVP. Es geht ihr um die gerichtliche Klärung der Frage, ob ein vierzig Hektar großer Tagebau ohne UVP genehmigt werden kann. Im konkreten Fall wurde übersehen, dass die Genehmigung des neuen Vorhabens im Widerspruch zu dem Rekultivierungskonzept des Bescheids von 1999 steht. Denn die dort vorgesehene Wiederverfüllung wird durch den nunmehr genehmigten Ausbau als offene Wasserfläche endgültig verunmöglicht. Hier drängt die Gemeinde nachdrücklich auf die strikte Einhaltung des geltenden Verfahrensrechts. Nur so kann sichergestellt werden, dass wesentliche Punkte und Widersprüche nicht übersehen werden.

Dies ist von höchster Relevanz auch für das weitere Vorhaben von hundertdreißig Hektar, welches die Firma plant; für welches Vorstudien bereits vorliegen und welches bis zum ersten in Richtung Rhein gelegenen Hof auf der Hessenaue reichen soll. Diese riesige Wasserfläche würde, da sie nicht verfüllt werden könnte, nach der Auskiesung eingedeicht. So zumindest ist es die Vorstellung des zuständigen Ministeriums.

Die Folgen

Würde weiter ausgekiest, entstünde eine riesige Wasserfläche, die nicht verfüllt werden könnte, weil es das entsprechende Verfüllmaterial nicht gibt. Aufgrund der Gefahr von Hochwasser und Druckwasser, ein den Behörden bekanntes Problem in der Gemeinde, könne diese Wasserfläche nur eingedeicht werden, so zumindest ist es die Vorstellung des zuständigen Ministeriums.

Es entstünde ein Großpolder direkt am Ortsteil Hessenaue. Druckwasser in der Ortslage wären eine der Folgen, letztlich aber wäre der gesamte Kreis Groß-Gerau von einem solchen Polder betroffen (Druckwasser, großräumige Überschwemmungsgefahr).

Die Gemeinde, die über die Jahrzehnte hinweg bewusst jegliche Bebauung im Retentionsraum des Rheines verhindert hat, wird erneut zur Zielscheibe: Diesmal wird das Wasser nicht wie in anderen Kommunen und Gemeinden oft erfolglos praktiziert, zum Fluss zurückgedrängt, sondern vom Fluss, dank der Auskiesungen, in die Felder und Ortslagen geholt.

Mit dem Kiesabbau wird die Landschaft großflächig und für immer verändert, dieser Prozess wird sich noch Jahrzehnte fortsetzen. Wie soll das Rheinvorland in vierzig Jahren aussehen? Entsteht neben dem Rhein auf den wenigen unbebauten landwirtschaftlichen Flächen eine Seenplatte? Das klingt ja erst einmal gut, aber bedeutet eine solche „Verwässerung“ des Rheinvorlandes nicht auch: Mehr Druckwasser in den ohnehin geplagten Ortslagen, mehr Verkehr durch mehr Tourismus, Zerstörung einer jahrzehntealten Landschaft …

Fest steht: Der Kiesabbau hat zur Folge, dass das Rheinvorland als Landschaft neu gestaltet und die Nutzung dieses Raumes neu festgelegt werden müssen. Dabei gilt es zahlreiche Rahmenbedingungen und Unsicherheiten zu beachten wie beispielsweise die bereits rekultivierten Flächen, Verkehrswege, Grundwasservorkommen, Naturschutzanliegen, die Entwässerung, die Anforderungen der Landwirtschaft.

Insofern ist die Gemeindevertretung verpflichtet alle Fragen gewissenhaft zu prüfen.

>> weitere Informationen zur Geschichte des Kiesabbaus in der Gemeinde Trebur

>> Zum Sachstand im September 2008