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Trebur setzt ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

Der 25. November ist der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. An diesem Tag wird dazu aufgerufen, jede Form der Diskriminierung, Misshandlung und Gewalt gegenüber Frauen zu bekämpfen. Weltweit finden Aktionen statt, um auf die tägliche Gewalt an Frauen und Mädchen aufmerksam zu machen.
 

Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt erleiden täglich psychische und physi-sche Gewalt. Dabei geht es immer um Macht und Dominanz, Unterdrückung und Demütigung, in letzter Konsequenz: körperliche und seelische Zerstörung. Mit der Sensibilisierung der Öffentlichkeit, Gewaltpräventionsarbeit und Bewusstma-chung von Machtsystemen und deren Auswirkungen gewinnt das Thema „Gewalt gegen Frauen“ zunehmend an Bedeutung.

Jeder Mensch hat das Recht, gewaltfrei zu leben. Die Realität ist jedoch eine andere. Sowohl Mädchen und Frauen als auch Jungen und Männer werden ansteigend mit Gewalt konfrontiert.

Der Grundsatz der deutschen Entwicklungspolitik ist die Forderung nach „gleichen Rechten, gleichen Pflichten, gleichen Chancen und gleichen Macht für Frauen und Männer“. Die unerlässlichen Faktoren für eine menschenrechtsbasierte, sozial gerechte und effektive Entwicklung von Gesellschaften sind die Gleichberechtigung der Geschlechter und die Durchsetzung der Frauenrechte.

Der gesellschaftliche Umgang mit sexueller Gewalt, einer sexualisierten Sprache, sexualisierten Strukturen und Systemen, in denen Frauen ausgenutzt, diskriminiert und missbraucht werden, ist das Ergebnis ungleicher Verteilung von Macht und gewachsenen Abhängigkeiten. Hier zeigt sich, dass die alten Rollenmuster vom starken und schwachen Geschlecht längst nicht überholt sind. Im Gegenteil: Sie holen uns wieder ein.

Jede Form von Aufdeckung und Bewusstmachung von körperlicher und psychi-scher Gewalt ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die aktuelle internationale Solidarisierung zwischen Frauen und Männern in den Sozialen Medien unter dem Hashtag #metoo, die Opfer von sexuellen Übergriffen wurden, hat viele Debatten sowie Bewusstmachung ausgelöst. Diese stille und dunkle Allianz der Mächtigen, sich nicht gegenseitig zu verraten, muss von den Mutigen gestört und sichtbar gemacht werden.

Frauen, die sexuelle Gewalt erfahren, empfinden oft Angst, Scham und Schuldgefühle. Sie trauen sich erfahrungsgemäß nicht, sich mitzuteilen. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei den Tätern um Vertraute oder Bekannte: Ehemänner, Partner, Freunde, Vorgesetzte, Kollegen, selten Fremde.

Das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter der Rufnummer 08000 116016 sowie Chat und Email auf der Webseite www.hilfetelefon.de ermöglichen eine barrierefreie, kostenlose und vertrauliche Beratung rund um die Uhr. Mehr als 60 Fachberaterinnen geben Auskunft zu allen Formen von Gewalt und unterstützen gewaltbetroffene Frauen sowie Familienmitglieder, Freunde und Fachkräfte. Für unsere ausländischen Mitbürgerinnen können Dolmetscherinnen für 15 Sprachen zugeschaltet werden.

Nein heißt Nein!

Seit November 2016 ist das Gesetz zur Reform des Sexualstrafrechtes in Kraft getreten. Darin ist der Grundsatz „Nein heißt Nein“ verankert, der besagt, dass ein sexueller Übergriff bereits dann strafbar ist, wenn er gegen den erkennbaren Willen einer Person ausgeführt wird. Mit diesem Gesetz ist der Straftatbestand der sexuellen Belästigung eingeführt. Das bedeutet, dass Übergriffe, die bislang nicht als erheblich eingestuft wurden, strafbar sind.

Am 25. November werden an zahlreichen Rathäusern wie auch hier in Trebur blaue Fahnen von TERRE DES FEMMES mit der Aufschrift „Frei leben – ohne Gewalt“ als ein Zeichen gegen Gewalt gehisst.

Anette Welp
Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Trebur